Magie - December 2004

Die Uhren ticken wieder

Horst Grewenig




Die meisten Leser der MAGIE werden die Show gesehen haben. Oder vielleicht doch nicht? Schade, dann haben Sie verpasst, wie man mit toller Ausstrahlung, einem guten Konzept, mit ein paar einfachen Partyspielerien und einfachen Zauberkunststückchen ein Millionen-publikum vor dem Fernseher fesselt! Sie selbst hätten sich in tricktechnischer Hinsicht vielleicht teilweise gelangweilt, aber in Bezug auf die Präsentation viel lernen können!
 Einige Zauberfreunde, die sich aus dem Zauberschrank-Forum kennen, trafen sich zum Anlass der Sendung zunächst gegen 18:00 Uhr im Foyer des Studio 8 in Köln-Hürth. Kurz darauf ließ es sich der Meister des Löffelverbiegens nicht nehmen, persönlich in Begleitung einer jungen Dame im Foyer aufzutauchen. Hektisch - fast schon unter Strom stehend - wuselte er durch die Tischreihen und sammelte die von den Zuschauern mitgebrachten kapputen Uhren und defekten Elektrogeräte ein (mit der Kartenbestätigung hatte man die Besucher der Show aufgefordert, Löffel, Gabeln, Messer und defekte Elektrogeräte mit zubringen). Uri schaute sich die Uhren an, gab verschiedene zurück, und einige wurden in einem Beutel eingesammelt. Auch die Uhr von Eva (Freundin von Marc Hoff) nahm die "Assistentin" mit. Stefan Pütz behielt seine nicht mehr funktionierende Uhr in der eigenen Tasche. "Mal sehen ob es auch so funktionert", dachte er.
 Kurz vor 19:00 Uhr meldete sich der Warm-Upper Thorsten Schorn über Lautsprecher. Wir sollten uns nun zur Studiotür begeben, aber zuvor alle Handys und spitzen Gegenstände (Messer und Gabeln) sowie Handtaschen an der Garderobe abgeben. Nichts durfte mit ins Studio - außer den mitgebrachten Löffeln. Am Studioeingang wurden alle Zuschauer nochmals mit einem Metalldetektor abgetastet. Selbst mein Zigarettenetui aus Metall musste ich vorweisen und öffnen. Obwohl der Detektor weiter piepste, durfte ich ohne Weiteres passieren! Sicherheitskontrolle nannten sie das! Wie beeindruckend!
 19:50 Uhr: Der Warm-Upper stimmte das Publikum auf das ein, was da noch kommen sollte. So sprach er die ganze Zeit von "Tricks", "Hokuspokus", "Magie", und "Zauberei". Kein Wort von übernatürlichen Fähigkeiten. Seltsam! Dann trat Uri Geller persönlich auf, der uns unter anderem mitteilte, dass wir positiv denken solten. Alle mitgebrachten Löffel sollten wir nun in die Taschen stecken und nicht mehr anfassen, bis wir dazu aufgefordert würden. "Have fun and enjoy the show!" Dies waren seine abschließenden Worte.
 20:07 Uhr: Günther Jauch wurde angesagt, und das Studio tobte. Freundlich wurden wir begrüßt und später auch aufgefordert, gleich richtig schön laut zu applaudieren, damit die Zuschauer vor den Bildschirmen ja nicht wegschalten! Quoten, Quoten, Quoten... Auch er wünschte uns viel spaß und gute Unterhaltung bei der Show.
 "We love to entertain you" wurde bei jedem Auftritt eines Promis eingespielt. Aha, es sollte also eine reine Unterhaltungsshow werden! Jetz hatte auch ich kapiert, dass en den Machern gar nicht um das Experiment an sich ging, sondern um Entertainment! Und wer die Show aufmerksam verfolgte, bemerkte, dass keinerlei Wert auf Kontrolle der von Geller beeinflussten Gegenstände gelegt wurde.
 Das Kompassexperiment: Der Kompass wurde als einer von RTL vorgestellt! Alle mussten es glauben! Ist letztendlich ja auch egal! Jedes Kind weiß, dass ein Kompass mithilfe eines Magneten beeinflusst werden kann! Uri machte trotzdem ein riesige Show daraus und ließ alle an seine Fähigkeiten glauben! Alle? Ich denke, es interessiert auch keinen, ob er alle überzeugte!
 Partyspiele waren nun angesagt. Aha! Mit so was kommt man also auch ins Fernsehen! Allerdings muss die Präsentation dann so sein, wie bei Uri Geller. Er traute sich sogar, einen Effekt zu zeigen, der vor 30 Jahren - kurz nach seinem Auftritt bei Wim Thoelke - in dem Medien erklärt wurde: Das Löffelverbiegen auf Basis der "kalten Bruschstelle". Der erste Löffel übrigens, der sich dann im Publikum angeblich verbog, war der von Dirk Beyer, einem Zauberkollegen! Übrigens - er ist selber Löffel - und Metallverbieger und steht nach eigenen Aussagen mit Uri Geller in E-Mail Kontakt! Der zweite verbogene Löffel wurde von einem Zuschauer vorgezeigt, der direkt vor Erasmus Stein (ebenfalls ein Mitglied des Zaubershrank-Forums) saß. Erasmus hatte beobachtet, wie jener Herr mit großer Anstrengung und Muskelkraft den Löffel verbog. Den Menschen an den Bildschirmen und dem Rest des Publikums blieb dies verborgen. Soviel zum Biegeexperiment im Studio! Kein weiterer Löffel hatte sich verbogen! Wie auch?
 Das "Bilder-Experiment" mit Yvonne Catterfeld überzeugte mich in der Live Situation nicht. Ich weiß nicht, wi es am Bildschrim rüber kam. Jedenfalls schade, dass Jan Becker nicht mit diesem Effekt engagiert war.
 In einer Werbepause konnte ich einigen Gesprächen von Zuschauern lauschen, "die sich das alles ganz anders vorgestellt hatten. Aber die Ausstrahlung von Uri... man könnte es ihm glatt abkaufen."
 Beim ESP-Test mit den Zauschauren im Studio und am Fernseher durfte natürlich niemand die Zeichnung sehen. Uri strengte sich auch wahrlich an, dass ja keine Kamera etwas von seiner Zeichnung erhaschen konnte. Rein zufällig musste er sich dazu mit dem Rücken zum Publikum stellen - ausgerechnet zu unserem Zuschauerblock! Wir konnten alle den Stern beim Aufschreiben sehen, und somit war es nicht verwunderlich, dass es die meisten in unserem Block waren, die zu dem 1/3 Resultatführten! Übrigens ganz knapp am Ergebnis mit der Wellenlinie! Viele meinten sogar, dass es mehr Wellenlinien seien, als Sterne. Aber das haben Sie am Fernseher nicht mitbekommen! Das wurde nämlich schon in der halbstündigen Pause durch Hochheben der Karteikärtchen "geschätzt". Vor laufender Kamera mussten dann alle nur noch einmal aufstehen.
 Der Schlüsselbund von Henry Maske: Eingentlich ein toller Effekt. Leider konnten wir das aus der Entfrenung nicht erkennen. Seltsam kam aber nicht nur mir vor, dass Henry Maske nicht mehr wusste, zu welchem Schloss sein verbogener Schlüssel passte.
 Die Sensation mit der streichholzschachtel-Ring-Nummer: Wer von Ihnen hätte sich getraut das so in einem Restaurant vorzutel auswählen darf und ohne sich selbst beim Einlegen des Rings abzuwenden? Uri traute sich! Die Erklärung, die sich ein Zuschauer hätte geben können, nämlich, das die Schachtel markiert ist, wurde von Jauch aus den Köpfen der Zuschauer gebannt, als er auf eine Eselsohrmarkeirung an einer Schachtel hinwies. Aber da war ja der Ring nicht drin! Also musste es anders funktionieren - oder aber wie Uri Geller bemerkte: "No! It's real!"
 Die Zauberer wird er sicher nicht mit seinen Effekten überzeugt haben! Faszinierend allerdings fand ich jedoch seine Art der Präsentation. Ob es richtig ist, die Menschheit im Glauben zu lassen, seine Fäshigkeiten seien echt, ist und bleibt weiterhin eine Streitfrage! In meinen Shows wissen die Zauschauer, dass sie bei einem Zauberkünstler sind, auch wenn ich einen Löffel verbeige und Fingerringe verkette! Die zuschauer von Geller sind aber alt genug, um selbst entscheiden zu können. Ist alles echt oder "nur" ein Trick? Die Leute, die anriefen und Fotos von ihren verbogennen Löffeln schickten, wissen auch, wie der Hase läuft und wie man ins Fernsehen kommt. Uri Geller hat es jedenfalls geschafft, mit dieser Art der Präsentation eine Fernsehshow zur besten Sendezeit bei einem renommierten Fernsehsender zu bekommen. Respekt!
 Zum Schluss noch drei Fragen, die jeder für sich selbst beantworten sollte:


Übrigens: Die Uhr von Eva war weiterhin defekt, obwohl Uri sie Persönlich bei sich trug! Unsur DVD-Player zu Hause ist immer noch kaputt! Schade, und ich hatte soooooooo gehofft, nach dem Anruf von Frau Blüm...! Die Uhr von Stefan Pütz tickte wieder!


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