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Kreis-Anzeiger (Germany) - 12 September 2005


Wahrer "Charmebolzen", der mit Tricks erstaunte

Andreas Matlé




BÜDINGEN. So einer war noch nicht in Büdingen: Einer, der bereits als Dreikäsehoch seinen ersten UFO-Kontakt hatte, der zweiklassingen Fußball-Teams zur Meisterschaft verhilft (Eintracht Frankfurt bitte melden), der Lahme heilt (Pop-Fußballer David Beckmann perr Massen-Handauflegen) und derin den USA qua eingebauter Wünschelrute Gold und Diamanten fand.

Da kamm selbst Bürgermeister Erich Spamer ins Grübeln angesichts der angespannten kommunalen Haushalslage. Wäre es nicht möglich, den berühmten Mann mal rund um Büdingen spazierengehen zu lassen?

Und Löffel verbiegen kann er natürlich auch, jener Uri Geller, der jetzt für eine Stunde im Fitness-Studio „Fit & Fun“ vorbeischaute, um dort die Eröffnung der neuen Martial Arts-Schule der InhaberChristine und Martin Gerstenberger zu promoten. Zu diesen Zwecken war sein Tross den ganzen Tag über durch die Lande gehetzt. Im Gefolge der britische Karate-Trainer Matt Fiddes, der das Martial Arts Konzept vertritt (undisziplinerte, Eminem hörende Jugend wieder mittels sportlicher Betäigung auf Vordermann zu bringen und zu guten Menschen zu erziehen), den eines mit Uri Geller verbindet: „Wir sind beide Millionäre, müssten eigentlich nicht mehr arbeiten, aber wir haben eine Botschaft.“

Nun, die Botschaft lag auch in Büdingen nicht darin, ledglich geheimnisvoll Löffel zu verbiegen. Eine Fähigkeit, die Geller 1974 nach seinem Auftritt in der Fernsehshow von Wim Thoelke über Nacht in die Massenmedien und das Bewusstsein von Millionen Menschen katapultierte. Das Löffelbiegen, so Uri Geller, sei ja eine recht „triviale“ Sache. Nolens volens kam er aber nicht darum herum, diesen Trick auch in Büdingen zu demonstrieren. Dort erlebten Geller 200 Gäste vor allem als charismatischen Charmebolzen, der mit seinen rund 60 Jahren immer noch verdammt gut aussieht, ein Meister der Suggestion und Motivation ist, einer, der mit stechenden Blick die Menschen in seinen Bann zieht, der genau weiß, wann er die Stimme zu senken und zu heben hat, einer, der hektisch über die Bühne fegt (was freilich zu seinem ausgeklügelten Konzept gehört), ein Künstler der Sprache und Ablenkung, was freilich alle grandiosen Magier auszeichnet.

Der Untershied zu anderen seiner Klasse: Geller behauptet, bei ihm sei „alles real“, hült sich ein mit einer Mischung aus Mythos und vermeintlichem Geheimwissen, was die seriösen Medien meist im Konjunktiv unterfüttern („er habe“, „er sie“), wobei Geller dann noch das i-Tüpfelchen draufsetzt, jenes der Verschwörungstheorie nämlich. So prangt gleich auf dem Cover seines Buches der k.o.-Satz: „Vielleicht ist das der Grund, warum einige Leute mich unbedingt zum Schweigen bringen wollen!“

Nun, in Büdingen brachte Geller keiner zum Schweigen. Dort entpuppte er sich als wahrer Dampfplauderer. Berichtete Sagenhaftes aus seinem Leben, heit als Beweis immer wieder Exemplare der internationalen Presse in die Höhe und wiederholte permanent seine Botschaft: „Positives Denken macht Euch ze Gewinnern“ sowie, „Hört auf mit dem Rachen, das ist schlecht.“

Also mehr Talk- denn Zauber-Show. Immerhin zeigte Geller einen Uhrentrick (der Zeiger einer Armbanduhr springt in der Faust von Kindern eine Stunde vor) und den berühmten Löffelgag, der natürlich nur vorne auf der Bühne funktionierte, nicht aber bei den vielen mitgebrachten Löffeln im Publikum.

Klar, ist doch auch dieses „Phänomen“ mittlerweile zigfach im Internet erklärt worden.

Was irgendwie fies ist, nimmt es doch den Menschen die letzten Illusionen dieser Welt, die kaum einer glaubhafter vertritt als Uri Geller, und wer wirklich an übersinnliche Phänomene glauben möchte, dem sei an diesser Stelle bestimmnt nicht der Glaube genommen. Hauptsache, er h&oum;rt mit dem Rauchen auf!



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